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Camping in Südamerika (Interview)

Für viele Urlauber ist Südamerika ein unheimlich faszinierendes und abwechslungsreiches Reiseziel. Leider gibt es über Lateinamerika nicht so viele Reiseinformationen aus erster Hand. Martin von Lateinamerika-Reisemagazin.com leistet hier gute Arbeit, diesen Umstand zu beseitigen.

In seinem Weblog informiert er regelmäßig über seine Wahlheimat. Dabei geht es nicht nur um Individualtourismus, sondern auch um Nachrichten aus Lateinamerika generell.

Auf die Anfrage, ob er ein paar Fragen rund um das Thema Camping in Südamerika beantworten würde, hat er direkt bereitwillig zugesagt. An dieser Stelle nochmals ein dickes Dankeschön dafür. Nachfolgend nun das Interview.

Stell dich doch bitte kurz vor

Hallo mein Name ist Martin ich werd bald 50 und bin seit 10 Jahren auf Reisen. 3 Jahre auf den Philippinen (irre schön) und 2 Jahre in Thailand waren die ersten Stationen. Zuerst war ich im Tauchgeschäft tätig und danach im Trekkingbusiness.

Doch in Asien ist das so eine Sache mit den Visas, und wenn du dann noch eine Familie hast, kanns richtig ekelhaft werden. Na ja irgendwann sind wir dann nach Südamerika und da genau nach Uruguay.

Warum? Kaum Korruption,relativ sicher und dann die Nähe zu Brasilien, Paraguay und Argentinien, ach ja und Chile. In dieser Ecke bekommst du alles an Geographie geboten, was die Erde nur hergibt, und du bist mit einem Pass ähnlich wie in der EU Mitglied des Mercosur.

Kannst du Camping in Argentinien und Uruguay empfehlen, oder sollte man lieber ins Hotel? (eigentlich eine doofe Frage)

Das ist keine doofe Frage, weil hier nicht das Hotel, sondern das Hostal (eine Art Jugendherberge) für die Backpacker die Alternative ist. Ich war gerade an der Atlantikküste in Uruguay campen. Da musst du in einem richtig schönen Touristenort für ein Bett in einem Schlafraum bis zu 25 Dollar hinlegen. Ich zelte da lieber für 3 Euro. Manche der Zeltplätze sind sogar überdacht, so was hab ich bisher noch nie gesehen.

Benötigt man besondere Campingausrüstung?

Die notwendige Ausrüstung hängt davon ab wo du hin willst und zu welcher Jahreszeit. Im Herbst (April Mai usw.) da wird es im tiefen Süden schon krass. Damit mein ich kalt, windig und feucht. Mit einem Billigzelt brauchst du da nicht hin, da benötigt man schon ein vernünftiges Zelt. Stell dir vor, du würdest im Herbst in die Alpen oder an die Nordsee. Weiter im Norden (Atacamawüste) wirds dann richtig heiss. Man muss für alles gerüstet sein.

In Europa wird Zeltcamping immer seltener. Gibt es diesen Trend auch in Südamerika?

Also das kann ich hier nicht sagen. Die Jugendlichen ziehen in den Sommermonaten mit einem kleinen Rucksack und ner Gitarre in die Badeorte oder auch in die Bergregionen der Anden. Denen wäre eine Hostal viel zu teuer. Das ist was für Ausländer.

Gibt es besondere Regeln auf die man achten sollte?

Ne eigentlich nicht. Die Regeln sind überall gleich. OK mit der Lautstärke nehmen sie´s nicht so genau, Gitarren und Gesang gehören dazu, aber dafür sind die Campingplätze zuweilen gigantisch. Der letzte hatte 3 km Strand und 200 Besucher. Da triffst du niemanden wenn du nicht willst.

Für Leute die in Argentinien oder Uruguay mit dem Wohnmobil oder
Wohnwagen campen wollen: Wie ist die Infrastruktur von Vermietern?

Also ich seh hier in meinem Heimatort des öfteren Wohnmobile durchfahren meist jedoch Ausländer, die das längerfristig machen. Erkennt man an der Ausrüstung.

Das schöne ist, du kannst überall hin. Es gibt fast keine Einschränkungen. Und Platz, unendlich viel Platz. Die Campingplätze haben was ich bisher gesehen hab, durchweg einen guten bis superguten Standart, manche mit Küche und bunt gekachelten Duschen und Bädern. Es gibt natürlich auch die echt urigen Plätze, aber ich glaub in manchen abgelegenen Regionen (Südchile) passt das auch gut. Da darf man nicht zuviel erwarten. Campen ist ja nicht unbedingt was für Weicheier.

Wie sieht die Sicherheitslage für Camper in Lateinamerika aus?

Nun ja, mir ist noch nichts passiert. Uruguay ist supersicher, auf den Campingplätzen passiert eigentlich kaum was. Das Problem liegt wohl eher in den Grossstädten. Wenn man ein paar simple Grundregeln beachtet, kann man aber auch dort das Risiko beträchtlich vermindern. Eine Freundin von mir war gerade in Kolumbien, die fühlte sich allein dort sicherer, als in ihrer Heimatstadt Buenos Aires.

Welche Jahreszeit ist besonders zum Campen in Südamerika geeignet?

Alle, kommt halt immer drauf an was man will und wie hart oder weich man ist. Ich würde die Hauptsaison vermeiden, da ist die Hölle los und ein Platz fast nicht zu bekommen. Die Saison kann ich nicht genau eingrenzen, da Brasilien allein schon den Rahmen spenden würde. Grob gesagt jedoch ab Weihnachten bis Mitte Februar.

Sind Rucksacktouren zu empfehlen und was sollte man dabei beachten?

Natürlich, wenn nicht hier wo denn sonst. In Chile sind sie gerade dabei die längste Trekkingroute der Welt zu „bauen“. (http://lateinamerika-reisemagazin.com/2009/02/19/die-langste-trekkingroute-der-welt/).

7.500 km von Nord nach Süd, durch die Anden von Feuerland, bis zu den Wüsten und am Pazifik entlang. Was darfs denn sonst noch sein? Die Tour soll bis 2012 komplett fertig sein. Teilstücke gibts schon. Beachten braucht man gar nichts. Eine gute Ausrüstung für die unterschiedlichen Klimaverhältnisse und viel Zeit.

In kaum einem europäischen Land darf man noch wild Campen. Wie ist da die Lage in Argentinien und Uruguay?

Wild Campen ist kein Problem. Jetzt im Sommer (ab Dezember bis April) haust dich einfach irgendwo an den Strand oder in die Büsche, hier sagt man logischerweise auch Pampa oder Campo. Angel raus oder Essen mitnehmen (immer ratsam). Nerven wird dich keiner.
Problem ist die Trockenheit und das Brandrisiko, hier sollte man sehr vorsichtig sein, da können die Verantwortlichen richtig böse werden.

Welches Land bietet sich eher für jemanden an, der noch nicht in Südamerika gecampt oder Urlaub gemacht hat?

Ich rede mal hier von der Südecke. Aber ehrlich gesagt gibts da wenig Unterschiede. Chile ist einsame Spitze, Argentinien auch. Paraguay, na ja da musst du dich schon besser auskennen, so viel gibts da nicht. Uruguay ist sicher und hat die schönsten Strände und viel Nightlife – aber nur im Sommer, sonst ist alles tot.

Es ist ganz einfach von einer Ecke in die andere zu fahren. Das klappt ohne Probleme. Bequeme Langstreckenbusse durchziehen die riesigen Länder und die touristische Infrastruktur ist vom Feinsten. Und wer´s hart und urig will, der findet auch das. Ein Land herausheben, ne das kann ich nicht.

Was sind die drei Dinge, die man in Südamerika auf keinen Fall machen sollte?

Ich hab auf meiner Webseite über das Thema schon mehrere Artikel verfasst. Aber irgendwie sind es immer die gleichen Dinge, die es auch weltweit zu beachten gilt.

  • Iss nicht von der Strasse (Rache des Montezuma)
  • geh nicht allein in abgelegene Stadtviertel
  • trau nicht gleich jedem.

Aber soviel ist das nicht. Die Leute sind unwahrscheinlich hilfsbereit.

Sicherlich ist es sinnvoll Spanisch zu sprechen, aber kommt man auch mit Englisch oder Deutsch weiter?

Das scheint zu klappen. Deutsch eher weniger, obwohl es in allen Ländern richtige deutsche Kolonien gibt. Aber ehrlich gesagt muss ich da nicht hin. Englisch klappt auf jeden Fall, aber man sollte sich keine Sorgen machen. Die Preise sind angeschrieben, und die Leute leben vom Tourismus und werden sich alle Mühe geben zu helfen.

Alle Bilder in diesem Beitrag unterliegen dem Urheberrecht und wurden freundlicherweise von lateinamerika-reisemagazin.com für diesen Beitrag zu Verfügung gestellt.

One thought on “Camping in Südamerika (Interview)

  • Martin
    on 29. Dezember 2009

    Das nenn ich mal einen spannenden Beitrag. Da bekommt man doch richtig Lust auf Südamerika. Wobei ich ehrlich bin und da etwas bedenken wegen der Sicherheit habe. Man hört da immer wieder Horrorgeschichten von Entführungen und Erpressungen. Aber hängt wahrscheinlich auch vom gewählten Land ab.

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